Produktsicherheit im Online-Handel
Show notes
Günstige Gadgets, unbekannte Marken, Direktversand aus dem Ausland – aber was passiert, wenn ein Produkt gefährlich ist?
In dieser Folge schauen wir auf die Schattenseiten des Onlinehandels. Wer kontrolliert eigentlich die Sicherheit? Gegen wen haben Verbraucherinnen und Verbraucher Ansprüche? Und wie erkennst du problematische Angebote schon vor dem Kauf?
Du hast Fragen oder einen Fall für die Verbraucherhelden? Schreib uns unter podcast@verbraucherzentrale.bayern! Mehr Infos: www.verbraucherzentrale.bayern
Diese Episode ist eine Produktion des Projekts “Wirtschaftlicher Verbraucherschutz”, gefördert vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
Ergänzende Tipps zur Checkliste:
• Kundenbewertungen lesen (aber kritisch bleiben – nicht alle sind echt) • Auf Rechnung kaufen, wenn möglich – so geht man nicht in Vorleistung • Vorsicht, wenn beworbene Bezahlmethoden im Bezahlvorgang nicht funktionieren
Weitere Links:
Fakeshop-Finder: Prüfen Sie, ob ein Online-Shop seriös ist Gefährliche Billigware? Produktsicherheit beim Online-Shopping
Show transcript
00:00:01:
00:00:08: Hallo zusammen, mein Name ist Anni Elinger.
00:00:10: Ich bin Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bayern und freue mich ab jetzt Teil dieses Podcast zu sein!
00:00:17: Heute geht es um ein Thema das wahrscheinlich jeden von uns betrifft, der schon mal online geschobt hat – Produktsicherheit im Onlinehandel.
00:00:24: Und dafür habe ich eine Geschichte mitgebracht die einem Bekannten von mir neu passiert ist.
00:00:28: Sie hat sich bei einer großen Plattform einen neuen Powerbank fürs Handy bestellt.
00:00:31: Zugegeben es war ein sehr günstiges Teil, kam wahrscheinlich auch aus dem Nicht-EU Ausland also aus einem Land außerhalb der EU.
00:00:38: Aber hey warum nicht?
00:00:40: Das Paket kam an die Powerbank hat funktioniert alles gut bis sie dann ein paar Tage später abends auf der Couch sitzt ihre Serie schaut und plötzlich riecht das rauchig in der Wohnung.
00:00:51: Die Powerbank die sie auf ihrem Schreibtisch abgelegt hatte hat angefangen zu kugeln und den schreibt sich auch schon beschädigt wer sie nicht Zuhause gewesen hätte dass deutlich schlimmer ausgehen können.
00:01:02: Leider ist das Ganze auch kein Einzelfall.
00:01:04: Die Daten des EU-Safety Gate, dass es ein öffentliches Warnsteam der EU bei dem gefährliche Produkte gemeldet werden – diese Daten zeigen, dass sich die Warnmeldungen in den Jahr im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt haben.
00:01:18: Und was mich dabei besonders irritiert hat?
00:01:21: Eine Untersuchung des Bundesverbandens der Verbraucherzentralen hat ergeben, dass nur jede fünfte Shoppingplattform freiwillig unsische Produkte beim SafetyGate gemeldete hat!
00:01:32: Darüber hinaus waren dann auch noch drei Viertel der gemeldeten Produkte trotzdem erst mal weiter online verfügbar.
00:01:39: Es gibt da also ein echtes Problem und die meisten dieser gefährlichen Produkte stammen aus Ländern außerhalb der EU.
00:01:46: Um uns die rechtlichen Hintergründe dazu einmal zu erklären, ist heute meine Kollegin Jule von Bern Verbrauchrechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern bei mir.
00:01:54: Schön dass du da bist, Jule!
00:01:57: Hallo Ani, ja freut mich auch wieder dabei zu sein
00:02:00: Jule, eine Umfrage der Verbraucherzentralen hat ergeben das neunzig Prozent der Verbracherinnen und Verbrauchert darauf vertrauen dass Produkte die in Europa verkauft werden auch sicher sind.
00:02:11: Da hätte ich mich auch zugezählt ist es zu naiv?
00:02:15: Ich würde sagen ja ein
00:02:17: klassische Juristen Antwort
00:02:20: Ja!
00:02:21: Es ist nur mal so.
00:02:21: viele haben die Erwartung dass Produkte sicher sind.
00:02:25: aber wenn man diese Erwartungen mit der Realität vergleicht gibt es leider eine ziemlich große Lücke.
00:02:29: Bei einer EU-weiten Kontrollaktion der Zollbehörden erfüllte mehr als die Hälfte der zwanzigtausend geprüften Spielzeuge und elektronischen Kleingeräte diese Standards nicht.
00:02:39: Bei einer Strichprobe, die man dann noch mal ins Labor geschickt hat, fielen sogar eighty vier Prozent als gefährlich auf.
00:02:45: Vier an achtzig Prozent?
00:02:47: Das ist krass!
00:02:49: Welche Produkte sind am meisten betroffen?
00:02:51: Das sind ganz verschiedene Bereiche.
00:02:53: also was mich zum Beispiel besonders beunruhigt das sind die vielen Meldungen über unsicher Produkte für Babys und Kleinkinder, zum Beispiel häufig wegen loser Teile die verschluckt werden können.
00:03:02: Aber auch bei elektronischen Geräten gibt es die Gefahr dass sie explodieren oder sich entzünden so wie bei deiner Bekannten.
00:03:08: Naja und dann tauchen auch noch regelmäßig Schwermetalle oder verbotene Stoffe in Schmuck Textilen oder Schuhen auf und das will man ja eigentlich auch nicht.
00:03:17: Auch Schwermetalle in so einer Halskette die man dann den ganzen Tag auf der Haut trägt ist keine schöne Vorstellung.
00:03:23: aber wie kommen diese Produkte überhaupt in die EU?
00:03:27: Also in den letzten Jahren sind Plattformen wie Timo, Aliexpress oder Chiyin riesig geworden.
00:03:33: Allein von Timo und Chiyun kam beispielsweise im Februar, zwanzierundzwanzig täglich rund vierhunderttausend Paket an Deutschland an.
00:03:43: Das Geschäftsmodell dieser Plattform basiert auf extrem günstiger Ware.
00:03:47: also da werden natürlich Abstriche bei Qualität, Haltbarkeit oder eben auch bei der Produkt-Sicherheit bewusst in Kauf genommen Und viele dieser Anbieter arbeiten mit sogenannten Dropshipping-Modellen.
00:03:59: Das heißt, die Produkte werden direkt vom Hersteller aus dem Nicht-Ioosan an die Kunden verschickt ohne dass irgendein Händler diese Produkte in der EU jemals in den Händen gehabt hatte.
00:04:10: Aber jetzt verstehe ich nicht wer überprüft denn dann was hier ankommt?
00:04:15: Das übernehmen die Marktüberwachungsbehörden und der Zoll.
00:04:19: aber bei diesen gigantischen Mengen können natürlich nur stichprobenartige Kontrollen durchgeführt Aber immerhin, da gibt es einen Hoffnungsschimmer.
00:04:27: Ab dem ersten Juli im Jahr ist die bisherige Zollgrenze von bis zu rund drei Euro abgeschafft.
00:04:33: Bisher konnten Pakete unter diesem Wert zäuferer eingeführt werden.
00:04:36: Künftig werden für solche Sendungen drei Euro pro Warengruppe und pro Paket erhoben.
00:04:41: Und voraussicht ab den Jahresjahr im Jahr haben sich auch auf Bestellung mit einem wahren Wert von unter hundertfünfzig Euro normale Zölle erhoben.
00:04:49: Es bleibt allerdings abzuarten wie und ob das auswirkt.
00:04:53: Das ist ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
00:04:56: Nichtsdestotrotz kommen viele unsicher Produkte durch und da stellt sich mir jetzt die Frage, wer es eigentlich verantwortlich dafür das Produkte sicher sind?
00:05:07: Na ja, also grundsätzlich müssen alle Akteure in der Lieferkette für die Sicherheitssorge.
00:05:11: Also Hersteller, Imputeure und Händler – ganz konkret heißt das, dass die Produkte den Sicherheitsanforderungen entsprechen, sie müssen auch identifizierbar sein zum Beispiel durch eine Chargen- oder Seriennummer und es müssen auch Sicherheitsinformationen und Kontaktdaten beigefügt sein.
00:05:29: Gilt das auch für die Plattformen?
00:05:31: Sind auch die verpflichtet für die Sicherheit der Produkte einzustehen?
00:05:35: Ja, auch Online-Marktplätze wie sie auch genannt werden haben Pflichten.
00:05:39: Sie müssen zum Beispiel eine zentrale Kontaktstelle für Beschwerden einrichten und wenn ein Produkt mal zurückrufen wird, müssen sie Verbraucher aktiv darüber informieren, zum Beispiel über die beim Kauf hinterlegten Kontaktdaten.
00:05:53: Okay, jetzt frage ich mich was kann ich denn als Verbraucherin dann konkret tun wenn ich wie meine Bekannte ein gefährliches Produkt erwischt habe das kaputt geht und am besten auch noch oben drauf einen Schaden bei mir anrichtet.
00:06:09: Na gut, bei den Ansprüchen muss man erstmal zwei Dinge auseinanderhalten die kaputte Powerbank einerseits und der beschädigte Schreibtisch andererseits.
00:06:17: Für die PowerBank selbst hat eine bekannte Gewährlässungsansprüche gegen den Verkäufer, sie kann also Ersatz verlangen oder theoretisch auch eine Reparatur.
00:06:26: das ist allerdings in diesem Fall natürlich nicht mehr sinnvoll.
00:06:29: Logisch!
00:06:30: Für den schreibtischen Gegend geht es um Schadensersatz.
00:06:33: da können Sie sich nach dem Produkthaftungsgesetz an den Hersteller wenden.
00:06:38: Sitz der Herstelle.
00:06:39: außerhalb der EU kommen noch andere Akteurenfrage Der Impoteuer Ein befreumächtigter des Herstellers in der EU oder ein sogenannter Fulfillment-Dienstleister.
00:06:48: Wer ist das denn?
00:06:50: Gute Frage!
00:06:50: Das kann ich mal kurz erklären, das sind Firmen in der Europäischen Union die für ausländische Shops die ganze Logistik übernehmen also Lagerverpackung versandt und so weiter Also quasi die Hände und Füße des Online-Shops vor Ort.
00:07:03: Das Ganze klingt ziemlich umständlich.
00:07:05: Also wegen der Powerbank muss sich zum Verkäufer, wegen dem Streit Tisch zum Hersteller und dann ist nicht mehr sicher ob das Ganze überhaupt klappt.
00:07:13: Könnte meine Bekannte sich nicht einfach an die Plattform direkt wenden?
00:07:18: Na ja, nach aktueller Rechtslage ist es so.
00:07:20: Da haften die Platformen nicht direkt für die über sie verkaufen Produkte.
00:07:24: aber das soll sich ändern.
00:07:26: Die EU hat eine neue Produkthaftungsrichtlinie verabschiedet und die wird gerade in deutsches Recht umgesetzt.
00:07:31: Die Umsetzung des neuen Gesetzes soll bis zum neunten Dezember zwanzigundzwanziger folgen und dann natürlich auch im Kraft treten.
00:07:39: Was ändert sich konkret in Bezug auf die Platt form?
00:07:43: Plattformbetreiber haften künftig in drei Fällen.
00:07:46: Erstens, wenn es für den Verbraucher so aussieht als wäre die Plattform selbst der Hersteller oder Händler.
00:07:51: Zweitens – wenn es kein in der EU-entsiesiger Herstelle, Importeur oder Vollfilmindienstlester greifbar ist.
00:07:58: und drittens, wenn die Platform aufgefordert wird, den Hersteler oder Importeuer zu benennen und das aber dann nicht innerhalb eines Monats tut.
00:08:07: Okay, also auch das wäre ja ein echter Fortschritt.
00:08:10: Aber bis Dezember müssen wir uns jetzt noch ein bisschen gedulden.
00:08:14: Aber sag mal unabhängig davon steht mir doch bei Onlinebestellungen ein vierzehntägiges Wiederrufsrecht zu?
00:08:21: Dann schicke ich einfach das Produkt zurück und bekomme mein Geld wieder richtig?
00:08:26: Ganz genau!
00:08:26: Bei Online-Geschäften hat man einen Wiederruferecht – theoretisch Ist das kein Problem?
00:08:31: Der Haken sind aber die Rücksinnekosten.
00:08:33: Bei einem Widerruf muss der Verbraucher diese nämlich tragen, vorausgesetzt, der Händler hat es in seinen Geschäftsbedingungen geregelt was aber meist der Fall ist.
00:08:42: und ein Paket ins Nicht-U-Ausland zum Beispiel nach Asiens zurückzuschicken – das kann richtig teuer werden!
00:08:47: Und da übersteigen die Versandkosten schnell den Wert des neuen Produktes und das hält auch viele Verbraucher dann davon ab dem Widerauf zu erklären
00:08:55: Ja das verstehe ich.
00:08:57: Im Endeffekt heißt das jetzt also, es gibt viele gefährliche Produkte vor allem aus dem Nicht-IU Ausland und wenn ich an so eins gerate besteht die Gefahr dass sich auf meinen Kosten und meinem Schaden sitzen bleibe.
00:09:09: Das sollte man sich wirklich überlegen bevor man die nächste Schnäppchenbestellung aufgibt.
00:09:14: Da gebe ich dir völlig recht.
00:09:15: und was man auch nicht vergessen darf diese billig Produkte sind ein riesiges Umweltproblem.
00:09:20: Irreweite Transportwege, minderwertige oder gefährliche Materialien und alles hat eine extrem kurze Lebensdauer.
00:09:27: Das ist überhaupt nicht nachhaltig und von den Arbeitsbedingungen müssen wir gar nicht erst anfangen.
00:09:31: das ist wieder ein ganz anderes Thema.
00:09:33: Ja da könnten wir uns noch ein paar Stunden weiter unterhalten.
00:09:37: weil wir aber leider diese Zeit nicht haben danke ich dir erstmal für diese Einblicke Jule.
00:09:42: Gerne!
00:09:44: So jetzt wissen wir also was zu tun ist wenn es knallt Aber viel besser ist es, wenn das gar nicht erst so weit kommt.
00:09:51: Hier habe ich drei konkrete Tipps für euch!
00:09:57: Tip Nummer eins – Impressums-Check.
00:09:59: Schaut euch das Impressum des Shops an.
00:10:01: Wer steckt dahinter?
00:10:02: Wo sitzt der Händler und wie kann ich ihn erreichen?
00:10:06: Wer regelmäßig wahr nach Deutschland verkauft, der muss nämlich eine ladungsfähige Anschrift in Deutschland oder der EU angeben plus Kontaktdaten wie Telefonnummer oder E-Mail.
00:10:17: Fehlt dieses Impressum oder steht da nur eine Adresse im Nicht-EU-Ausland?
00:10:21: Ist das schon mal die erste Red Flag.
00:10:24: Und noch ein Pro-Tipp, selbst wenn eine EU-Adresse angegeben ist schaut da ganz genau hin wohin die Rücksendung gehen soll.
00:10:32: Manchmal muss sie dann nämlich trotzdem ins nicht EU Ausland erfolgen und dann haben wir wieder das ganze Problem mit diesen hohen Zusatzkosten.
00:10:40: Tipp zwei Prüfsiegel checken!
00:10:43: Da solltet ihr vor allem zwei Siegel kennen.
00:10:46: Zum einen das CE-Siegel, oder CE-Zeichen.
00:10:49: Das ist ein EU-Siegeln.
00:10:52: Damit erklärt der Hersteller eigenverantwortlich dass er die EU Sicherheitsanforderungen erfüllt.
00:10:57: Das klingt ganz gut.
00:10:58: allerdings wird es nicht unabhängig geprüft.
00:11:00: Das heißt wenn dieses CE Zeichen fehlt ist das eine klare Warnung.
00:11:06: aber auch wenn es da ist dann ist das noch keine Garantie.
00:11:10: deutlich mehr sagt das GS Zeichen aus.
00:11:13: Da steht für geprüfte Sicherheit.
00:11:16: Das bekommt ein Produkt nur, wenn es von einer unabhängigen Stelle wie dem TÜV oder der DECRA geprüft wurde.
00:11:23: Und mein dritter Tipp informiert euch vor dem Kauf!
00:11:26: Schaut bei Stiftung-Wahntest-, Ökotest- oder anderen seriösen Produkttests rein und check das EU-Safety Gate – da könnt ihr eben nachschauen ob ein Produkt als gefährlich gemeldet wurde.
00:11:38: Außerdem sammelt auch die Bundesanscheid für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kurz Bauer Daten aus Produktrückrufen.
00:11:47: Außerdem noch ein Bonus-Tipp, wenn ihr euch bei einem Online-Shop unsicher seid nutzt den Fake Shop Finder der Verbraucherzentrale.
00:11:54: Einfach die URL des Shops eingeben und checken lassen!
00:11:58: Den Link dazu und weitere Informationen zu unseren heutigen Themen findet Ihr in den Show Notes.
00:12:04: Und was steht sonst noch an?
00:12:06: Jetzt habe ich noch einen Tipp für alle in München ansässigen Hörerinnen und Hörern.
00:12:11: Am vierzehnten Juni findet in München wieder die Radelduld statt, bei der auch wir von der Verbraucherzentrale Bayern mit einem Stand vertreten sein werden.
00:12:19: Kommen vorbei und erfahrt mehr zum neuen Recht auf Reparatur und vielen anderen Verbraucherteam!
00:12:25: Wir würden uns freuen euch zu sehen – und noch unser Heldentipp zum Abschluss immer erstmal durchatmen und bei uns informieren!
00:12:35: www.verbraucherzentrale.bayern.
00:12:38: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal
00:12:45: Die Verbraucher-Helge.
00:12:50: Das ist so, siehst du mir das mal stopptrücken?
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